Sense, Ernte, Wespen und Flöten,
morgens und abends der Himmel gerötet.
Zwischen Erde und Rüben
tragen Bänder Flügel.

(© Monika Minder)

Herbstfreundschaften

Kurze Kindergeschichte

Schöne und spannende Erzählung von zwei Katzen, die sich zuerst nicht mochten und daraus sich eine fast perfekte Freundschaft entwickelte. Diese Kurzgeschichte wurde von Monika Minder geschrieben.






Malvorlagen

Herbstfreundschaften

Bellas Freundin hiess Bibi. Sie gingen auf dieselbe Schule und sassen auch nebeneinander. Bibi hatte einen Zwillingsbruder, Ben. Ben und Bibi's Eltern lebten auf einem Bauernhof ziemlich ausserhalb des Dorfes. Bella war häufig zu Besuch dort. Sie mochte die Tiere, vor allem die Pferde und die Katzen, und sie half im Herbst gerne beim Ernten. Auch in diesem Herbst ging sie wieder mit aufs Feld um Zuckerrüben zu putzen. Und natürlich war sie auch gerne in Ben's Nähe, aber das sagte sie niemandem.

Zuckerrüben wurden damals übrigens noch von Hand geputzt. Da hockten oder knieten alle zusammen auf dem Feld. Die Rüben wurden vom Dreck befreit und die Blätter wurden weggeschnitten. Der Bauer hatte die Rüben vorher mit einer Hake aus dem Boden gekratzt. Die Rübenblätter wurden danach als Viehfutter genutzt. Waren die Rüben sauber, lud man sie auf einen Wagen. Von dort aus kamen sie dann in die Zuckerrübenfabrik.

Bella mochte diese Arbeit, auch wenn es dreckige Hände gab. Die Leute, die mithalfen, waren alle sehr freundlich und es war familiär. Sie erzählten sich Geschichten von früher. Das war immer spannend und lustig. Vor allem Ben und Bibi's Mutter. Sie wusste immer etwas zu erzählen, und wenn sie nichts mehr wusste, erzählte sie die Geschichte, die sie schon tausendmal erzählt hatte.

Bella hatte sich in die Nähe von Ben gesetzt, um ihre Zuckerrüben zu putzen. So konnte sie ihn immer wieder anschauen. Er war mit seinen langen braunen Locken ein wirklich hübscher Junge. Als er Bella vor einiger Zeit einen kleinen Liebesbrief schrieb, war ihr das aber noch gar nicht bewusst. Ben war immer der Bruder ihrer besten Freundin und auch ihr Schulkamerad.

Sie war ein bisschen verwirrt und getraute sich nicht, ihm zu schreiben oder etwas zu sagen. Und so vergingen die Tage. In den Sommerferien sahen sie sich nicht. Bella fuhr ins Lager und Ben musste zu Hause auf dem Bauernhof helfen. Sie dachte aber oft an ihn und seine Worte. Ob sie mit ihm gehen wolle, hat er gefragt.

Das machte man damals noch so. Handys gab es noch keine. Man schrieb sich Briefe von Hand. Das war sehr romantisch. Mit ihm gehen, konnte sie sich irgendwie nicht vorstellen. Sie wartete auf den Herbst.

Die Schule hatte längst wieder begonnen und Ben schaute sie immer wieder fragend an. Bella gab keine Antwort. Die Zuckerrübenernte war im Gange und Bella ging mit aufs Feld. Aber Ben war nicht da. "Wo ist Ben?" fragte sie Bibi. Plötzlich hatte sie Herzklopfen. Was, wenn er nicht kommt. Wenn er böse ist oder gar nicht mehr mit ihr gehen wollte. Sie hatte ihm nie geantwortet.

Sie fühlte sich nicht gut, weil sie dachte, es war nicht gut, wie sie sich verhalten hatte. Alles mögliche ging ihr durch den Kopf.



"Der kommt später", rief Bibi.

Tief durchatmen und so tun, wie wenn nichts gewesen wäre, dachte Bella. Sie putzte Rüben und schaute immer wieder Richtung Bauernhof. Als es Zeit wurde für eine Pause, kam er endlich. Er brachte Brot, Käse, Wurst und Tee. Das war lecker. Pausen fand Bella auch besonders schön. Das Arbeiten auf dem Feld machte hungrig. Sie roch an dem selbstgebackenen Bauernbrot. Ben reichte ihr eine dicke Scheibe. Das war einfach herrlich und das schmeckte. Ganz anders als das gekaufte Brot.

Nach der Pause gingen einige in das nahegelegene Wäldchen. Man musste mal. Der Knecht legte sich unter den Wagen und schob seinen Hut über den Kopf. Ein Nickerchen kann auch nicht schaden. Als er begann zu schnarchen, mussten sie lachen. Bella nutzte die Zeit und nahm Ben zur Seite. Sie musste jetzt unbedingt mit ihm reden.

Sie setzten sich unter einen grossen Baum. Was sie genau sagen wollte, wusste sie noch nicht. Sie sprudelte dann einfach drauflos:

"Es tut mir leid, dass ich dir nie geantwortet habe, aber ich hatte Angst. Ich wusste nicht, was ich wollte, da ich dich doch schon so lange kenne und mir gar keine anderen Gedanken gemacht habe. Ich hätte dir sagen sollen, dass ich Bedenkzeit brauche. Ich hoffe, du bist mir nicht böse. Ich mag dich und ich weiss jetzt, dass ich mit dir gehen möchte. Wenn du das auch noch willst."

Phu, jetzt ist es draussen. Sie getraute sich nicht ihn anzusehen. Die Zeit schien still zu stehen. Er sagte lange nichts. Dann nahm er ihre Hand und sagte:

"Ja, es hat mir weh getan. Aber, es ist gut, dass du es jetzt gesagt hast, weil jetzt kann ich dich verstehen. Es ging mir ja genau gleich zuerst. Und ja, ich will immer noch mit dir gehen."

Jetzt drehte sie den Kopf und schaute direkt in seine leuchtenden Augen. Sie lächelten sich an und gingen gemeinsam wieder aufs Feld. Sie sassen ein bisschen näher, aber so, dass niemandem etwas auffiel. Es sollte noch ihr Geheimnis bleiben.

(© Monika Minder, 21. Aug. 2019)

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