Man kann wohl einen Schwarm Mücken im Zimmer sumsen hören, aber nicht eine.

(Jean Paul, 1763-1825)

Karli auf Mückenjagd

eine kurze Kindergeschichte

Schöne und lustige Erzählung von Karli, der nicht schlafen konnte, weil es immer wieder surrte. Diese Kurzgeschichte wurde geschrieben von Monika Minder.

Karli auf Mückenjagd

Am Abend wird es jetzt wieder früher dunkel, und wenn man durch die Strassen spaziert, sieht man manchmal Leute mit Katzenklatschen in den Händen in ihren Wohnungen herumhüpfen. Sie sind auf Mückenjagd. Das sieht lustig aus, ist aber gar nicht so lustig. Diese kleinen Dinger können richtig lästig surren, und natürlich wollen die ihren Stachel in die Haut der Menschen stecken. Und dann gibt das einen Buckel auf der Haut und der juckt ziemlich arg.

Karli ist gerade in sein Bett gehüpft und hat sich seine Decke bis zum Hals hochgezogen. Das Licht war schon aus. Es war still. Er atmetet tief durch und merkte, dass er gleich einschlafen wird.

Doch dann: Ssssssss... Ssssssss... Ssssssss

Eine Mücke. Karli war müde und wollte schlafen. Er mochte jetzt nicht nochmals aufstehen. Soll die doch surren, dachte er. Ich höre sie eh bald nicht mehr. Doch die Mücke surrte und surrte: Ssssssss... Ssssssss..., und das Gesurre kam immer wie näher und näher und dann war es direkt vor Karlis Gesicht und die Mücke landete auf seiner Nase.

Die will stechen! ging es Karli durch den Kopf und blitzartig war er hellwach und haute mit seiner Hand auf seine Nase. Klatsch! Aua!

Das war doch ein ziemlich heftiger Schlag. Sicher ist sie tod die blöde Mücke, dachte Karli und legte sich wieder hin. Es war still. Karli war erleichtert. Endlich schlafen.

Ssssssss... Ssssssss... und wieder hörte er das Gesurre und wieder kam es langsam näher. Jetzt war Karli aber schon ein bisschen genervt. Ich muss etwas tun, dachte er, so kann ich nicht schlafen.

Karli holte die Fliegenklatsche, setzte sich aufs Bett und wartete. In der anderen Hand hielt er den Lichtschalter seines Nachttischlämpchens. Das Licht war aus. Es war dunkel und still. Nicht lange musste er warten und schon tönte es wieder: Ssssssss... Ssssssss.... .



Karli wartete bis das Gesurre ganz nahe war und wieder um seinen Kopf surrte. Er bewegte sich nicht. Erst als es ganz ganz nahe war, drehte er den Lichtschalte an. Immer noch bewegte er sich kaum und war ganz ruhig. Keine unnötigen Bewegungen. Seine Ohren waren hellwach. Er wollte genau wissen in welche Richtung sie flog. Mit den Augen kreiste er nur, damit er seinen Kopf nicht unnötig bewegen musste.

Dort, dort hinter der Türe, ziemlich weit unten, landete die Mücke. Karli sah einen kleinen schwarzen Fleck auf der weissen Wand. Langsam und ohne hastige Bewegungen stand er auf. Einen Schritt nach vorne, die Türe etwas zuschieben, die Klatsche langsam aufziehen und dann mit einem kurzen heftigen Schlag auf die Mücke hauen. Päng!

Der kleine schwarze Fleck war jetzt rot. Die Mücke tot.

Putz ich morgen, dachte Karli und ging ins Bett. Endlich schlafen. Nur noch schlafen. Bis zur nächsten Nacht und dann begann alles von vorne.

"So ein Stecker kommt mir aber nicht ins Haus", sagte Karli am Morgen zu seiner Mutter als er ihr von seiner Mückenjagd erzählte. "Das ist giftig. Da geh ich doch noch lieber mit der Fliegenklatsche auf Mückenjagd."

"Das machst du schon richtig Karli", sagte seine Mutter und lächelte als sie ihm etwas Salbe auf die Nase strich. Das Biest hatte ihn letzte Nacht doch gestochen, und es juckte auf seiner Nase. Ein bisschen sah es auch lustig aus, weil die Nase grösser geworden war durch die Schwellung. Aber, das war Karli egal, ich geh trotzdem zur Schule. Mal was anderes, dachte er und grinste.

Bereits auf der Strasse neben der Schule wartete Tim, sein bester Freund. "Hallo", riefen sie sich von weitem zu. Als Karli näher kam, sah er, dass Tim auf einer Seite nur noch ein Schlitzauge hatte, weil er dick geschwollen war:

"Mücke" sagte Tim nur und zeigte auf sein Auge. "Mücke" sagte Karli und zeigte auf seine Nase. Sie schauten sich kurz an und dann prusteten sie los. Sie mussten dermassen lachen, dass andere Leute sich nach ihnen umdrehten.

Als dann auch noch Emma dazu kam mit einer dick geschwollenen Lippe, ging das Gekicher erst so richtig los. Alle lachten sie und machten Witze über ihr lustiges Aussehen.

Jetzt war es Zeit für Karli, er wollte seinen Freunden unbedingt erzählen, wie man die Mücken überlisten kann. Schliesslich hatte er das selbst herausgefunden und seine Erfahrung musste geteilt werden.

Die drei Freunde verzogen sich in eine Ecke und es kicherte immer mal wieder. Auch aus dem Schulzimmer hörte man später laute Lacher. Womöglich gab es noch weitere kleine Zombies.

(© Monika Minder, 12. Sept. 2018)

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