Es stimmt nicht, dass die Kühe Milch geben. Die Bauern nehmen sie ihnen weg.

(Stilblüte)

Was ich mir wünsche oder die Milch im Kesseli

Kurze Kindergeschichte

Man könnte die Geschichte durchaus mit Es war einmal beginnen, denn früher war ja bekanntlich alles anders. Und das ist auch gut so, sonst hätten wir nichts mehr zu erzählen.






Malvorlagen

Was ich mir wünsche...

... oder die Milch im Kesseli

Als ich Kind war, kaufte man die Milch nicht im Tetrapack im Supermarkt, sondern man ging mit einem Kesseli (Kännchen) in die Käserei und liess sich die Milch abfüllen. Unser Kesseli war hellblau und hatte einen ebenfalls hellblauen Deckel. Man konnte 4 Liter Milch hinein füllen. Das reichte bis zum anderen Abend. Wir waren fünf in der Familie. Also eigentlich sieben. Meine Eltern und zwei Brüder, ein Hund und eine Katze und natürlich ich. Manchmal hatten wir auch mehrere Katzen.

Jeden Abend schickte unsere Mutter eines der Kinder mit diesem Kesseli in die Käserei. Das waren etwa zwei Kilometer zu Fuss. Ich fand es immer spannend in der Käserei. Ein bisschen Angst hatte ich im Winter, weil der Weg durch einen dunklen Wald führte. Aber ich wurde immer reichlich belohnt.

In der Käserei gab es nämlich viel zu beobachten. Die Bauern kamen mit den Pferden in die Käserei und brachten die frische Milch. Hinter dem Pferd hatten sie ein Wägelchen eingespannt und auf dem Wägelchen waren grosse Kannen mit Milch.

Noch kurz vorher waren die Bauern alle in ihrem Stall und haben die Kühe gemolken. Die Milch von den Kühen wurde danach in diese Kannen gefüllt und die Kannen kamen auf das Pferdewägelchen. Manchmal wurden sie angebunden, damit sie nicht schepperten oder runter fielen. Wenn alles gut war, sprang der Bauer selber auf den Wagen und nahm die Zügel und rief laut: "Hü, hü, hü...", und schon trabte das Pferd los. Ich bin sicher, die Pferde kannten den Weg in die Käserei. Sie gingen ihn schliesslich jeden Abend.

In der Käserei angekommen, mussten die Kannen in die Käserei hinein getragen werden. Der Käser half den Bauern, denn die Kannen waren schwer. In der Käserei wurde die Milch dann aus der Kanne in ein grosses Becken umgefüllt und einige Liter kamen in eine kleinere Kanne. Aus dieser kleineren Kanne schöpfte die Frau vom Käser mit einer 1-Liter-Kelle Milch in mein Kesseli. Ganze viermal bis das Kesseli voll war. Manchmal gab sie noch ein bisschen mehr dazu. Sie war sehr nett und grosszügig.

Aus der Milch im grossen Becken machte der Käser später grosse runde Laibe leckeren Käse mit grossen Löchern. Emmentaler Käse.

Bevor es mit meinem vollen Kesseli wieder nach Hause ging, packte der Käser mir noch einige Käsespäne ein zum Mitnehmen. Das waren lange Späne, oder man könnte auch sagen, lange Würmer aus Käse. Diese Späne gab es, wenn der Käser einen Käselaib herstellte. Er fuhr dann mit einem Messer am Rand des Käselaibes entlang und so entstanden lange lange Würmer. Käsewürmer, die man essen konnte. Das war immer total lecker, und ich freute mich schon den ganzen Weg darauf.

Danach lief ich mit meinem Kesseli und den Käsespänen den Weg wieder nach Hause. Einige ass ich sofort auf und die anderen brachte ich der Mutter. Manchmal durfte ich mit einem Wägelchen mitfahren. Wenn ein Bauer in die gleiche Richtung fuhr mit seinem Pferdeanhänger, fragte er, ob ich mitfahren wolle. Da sagte ich natürlich nicht nein. Vor allem im Winter. Jetzt hatte ich keine Angst, weil ich nicht allein war. Der Bauer und das Pferd waren bei mir, und die hatten bestimmt keine Angst.

Zu Hause überreichte ich das Kesseli meiner Mutter. Sie schöpfte zwei Liter Milch in einen Tonkrug und stellte diesen in den Kühlschrank. Die gab es dann zum Frühstück. Die anderen zwei Liter schüttete sie in eine Pfanne und diese kam auf den Herd. Dort wurde die Milch warm oder heiss geköchelt. Daraus gab es Kakao für uns Kinder, Milchkaffe für die Eltern und Brotbrocken für Hund und Katze.

Am nächsten Abend ging wieder ein Kind vier Liter Milch holen in der Käserei und am nächsten wieder und wieder. Jeden Tag. Es gab nie Abfall wie von den Verpackungen im Supermarkt. Das Kesseli hat Mutter jeden Abend ausgewaschen, und so konnte man es immer wieder benutzen. Das war umweltfreundlich. Wir haben viel weniger Müll produziert. Nicht alles war früher schlechter, wie viele behaupten. Einiges war sogar besser. Wie das Milchkesseli.

Was ich mir wünsche, dass die Kinder auch wieder Milch in einem Kesseli holen können, damit weniger Müll entsteht. Wir können nämlich alle etwas tun für die Umwelt. Und das ist doch schön.

(© Monika Minder, 25. März 2020)


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