Der Kaspar, der war kerngesund
Ein dicker Bub und kugelrund
Er hatte Backen rot und frisch
Die Suppe aß er hübsch bei Tisch.

(Heinrich Hoffmann)

Suppenkaspar

Der Struwwelpeter von Heinrich Hoffmann

Im Suppenkaspar wird in wenigen Versen die Geschichte eines Jungen erzählt, der keine Suppe essen will. Damit wird etwas thematisiert, das sich damals im 19. Jahrhundert überhaupt erst durch die industrielle Revolution entwickeln konnte und welches immer noch hochaktuell ist.






Malvorlagen

Die Geschichte vom Suppenkaspar

Der Kaspar, der war kerngesund
Ein dicker Bub und kugelrund
Er hatte Backen rot und frisch
Die Suppe aß er hübsch bei Tisch.
Doch einmal fing er an zu schrein:
»Ich esse keine Suppe! Nein!
Ich esse meine Suppe nicht!
Nein, meine Suppe ess’ ich nicht!«

Am nächsten Tag – ja sieh nur her!
Da war er schon viel magerer.
Da fing er wieder an zu schrein:
»Ich esse keine Suppe! Nein!
Ich esse meine Suppe nicht!
Nein, meine Suppe ess’ ich nicht!«

Am dritten Tag, o weh und ach!
Wie ist der Kaspar dünn und schwach!
Doch als die Suppe kam herein,
gleich fing er wieder an zu schrein:
»Ich esse keine Suppe! Nein!
Ich esse meine Suppe nicht!
Nein, meine Suppe ess’ ich nicht!«

Am vierten Tage endlich gar
der Kaspar wie ein Fädchen war.
Er wog vielleicht ein halbes Lot –
Und war am fünften Tage tot.

(Heinrich Hoffmann, 1809-1894, deutscher Lyriker, Kinderbuchautor, Psychiater)

Geschrieben: 1845

Interpretation

Wir alle kennen den langhaarigen Kerl, der mit seinem Afrolook und den unendlich langen Fingernägeln zur Kultfigur wurde. Der Suppenkaspar ist eine der bekannteren Geschichten der Struwwelpeter-Reihe.

Die Verweigerung von Nahrungsaufnahme, in dem Fall von Suppe, ist aktueller denn je. Wieso der Junge, in der ersten Strophe noch kugelrund und rotbackig, plötzlich seine Suppe nicht mehr essen will, wissen wir nicht. Vielleicht ist er gerade in der Pubertät, im Trotzalter oder er sucht auf diese Weise vermehrt nach Aufmerksamkeit.

Der Schreiber dieser Geschichte, Heinrich Hoffmann, wusste als Arzt und Psychiater sicher viel von solchen Problemen zu erzählen. Probleme, die gerade durch die landwirtschaftliche Revolution des 19. Jahrhunderts, durch ein reichhaltigeres Nahrungsangebot in der breiten Bevölkerungsschicht auftauchen konnte. Man kann von einer Essstörung, die wir heute Anorexia nervosa oder Magersucht nennen würden, sprechen. Denn wer nichts mehr isst, stirbt, wie der Suppenkaspar.

Das wusste Heinrich Hoffmann, und womöglich war er ein Gourmet. Die Suppe ist oft nicht nur das Beste vom Menu, sondern auch ziemlich viel gesund. Davon erzählt uns die chinesische Küche so einiges. Gerade eine lang geköchelte Gemüse-Kartoffel-Fleischsuppe soll das Immunsystem stärken.

Das gemeinsame Schnipseln von Gemüse und die etwas zeitaufwendigere Zubereiten einer wirklich guten Suppe, könnte denn Therapieansatz für Suppenkaspare sein. Im Sinne von gemeinsam werkeln, schafft Nähe und Vertrauen. Im besten Fall entwickeln sich Offenheit und Verletzlichkeit und Gespräche über Bedürfnisse und Ängste.

(© Monika Minder, 23. August 2019)

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Suppenkaspar Deutsch und Englisch

Auf der Seite von babelmatrix.org.

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